Schimmelpilz
Gesundheit
Schimmel im Kinderzimmer, im Schlafzimmer, Bad, Küche, überall, und alle sind schnell mit Ratschlägen zur Hand, die meist "Lüften und Heizen" heißen, was aber nichts ändert, wenn die Ursachen nicht gründlich erforscht werden.
Die Mykologen unterscheiden weit mehr als 100.000 Schimmelpilzarten, die für uns wichtigsten heißen Penicillium, Aspergillus, Cladusporium.
In unserer Atemluft befinden sich ständig tausend bis eine Million Schimmelpilzsporen, in jedem Kubikmeter. Mit jedem Atemzug atmen wir Sporen ein und aus.
Die Auswirkung von Schimmelpilzwirkung auf die Gesundheit des Menschen zu beurteilen ist nicht Sache des Bausachverständigen. Weil Pilzbefall in Wohnungen hinsichtlich der gesundheitlichen Auswirkungen aber häufig überbewertet und das Thema in der Öffentlichkeit gelegentlich mit einer gewissen Hysterie diskutiert wird, erscheinen einige Bemerkungen angebracht.
„Schimmelpilze kommen in der Umwelt des Menschen weit verbreitet vor. . . der Mensch ist deshalb an ein Vorkommen von Schimmelpilzen in seiner Umgebung angepasst und weist gegenüber Schimmelpilzen eine hohe natürliche Resistenz auf. Er reagiert folglich nur selten mit Krankheitssymptomen auf eine Schimmelpilzexposition“ (Arbeitskreis Qualitätssicherung Schimmelpilze in Innenräumen am Landesgesundheitsamt BW, 14.12.2001).
Schimmelpilzsporen sind ständig und überall vorhanden. Ohne Schimmelpilze gäbe es kein Bier, keinen Käse und keinen Hefekuchen. Ein direkter Zusammenhang zwischen dem Vorhandensein von Schimmelpilzen und einer Krankheit gibt es meines Erachtens nicht, obwohl dringend empfohlen wird, dass Asthmatiker und Personen, die auf Schimmelpilze allergisch reagieren, sich nicht in Räumen mit übermäßig vielen Schimmelpilzsporen aufhalten sollten.
Da in unserer Raumluft stets Schimmelpilzsporen vorhanden
sind, ist auch der handtellergroße Befall in einer Ecke
oder ein Stück
verschimmelte dauerelastische Fuge an der Badewanne zwar häßlich aber ohne Bedeutung für die Gesundheit, ebenso geringe
Pilzbildung in Räumen, in denen man sich nicht länger aufhält (Keller). Dies
gilt nicht bei quadratmetergroßen Flächen in Schlafzimmern, von denen
angenommen wird, dass sie durchaus eine gesundheitliche Beeinträchtigung sein
können. Die Flächen müssen saniert werden.
Feuchtigkeit kann beim Gebäude von außen kommen (die undichte Wand), aber auch "von innen" und durch die
Bewohner erzeugt werden. Auf diese Feuchte gehen wir zunächst ein.
Feuchteproduktion durch den Menschen
Jede Person verdunstet bis zu 3 Liter Wasser in 24 Stunden.
Auch Pflanzen tragen dazu bei, die Luftfeuchtigkeit im
Raum zu erhöhen.
Angesichts dessen, dass die Raumluft eines kleinen Raumes oft nur noch in der
Lage ist, „ein Schnapsglas“ voll Wasser als Wasserdampf aufzunehmen, ist es
interessant zu wissen, welche Wassermengen von
Menschen und Pflanzen abgegeben
werden.
| Zimmerblume (Veilchen) | 0,1 – 0,3 Ltr./24 h |
| Mittelgroßer Gummibaum | 0,3 – 0,5 Ltr./24 h |
| Mensch, leichte Aktivität | 0,8 – 1,0 Ltr./24 h |
| Trocknende Wäsche (4,5 kg/geschleudert) |
1,2 – 5,0 Ltr./24 h |
| Trocknende Wäsche (4,5 kg/ tropfnass) |
2,5 – 12 Ltr./24 h |
| Jungbaum (2-3 Meter) | 100 Ltr./24 h |
Etwas Bauphysik
Das Wasser wird als Wasserdampf von der Raumluft
aufgenommen. Luft kann aber nur eine begrenzte
Wassermenge, abhängig von der
Lufttemperatur, aufnehmen.
Aufgenommen werden können...
| ...bei einer Lufttemperatur von 15° C | 12,8 g/m³ |
| ...bei einer Lufttemperatur von 18° C | 15,4 g/m³ |
| ...bei einer Lufttemperatur von 25° C | 21,3 g/m³ |
Es ist leicht auszurechnen, dass Raumluft schnell in Bereiche kommt, in denen sie nicht mehr in der Lage ist, weitere Wasserdampfmengen aufzunehmen, insbesondere dann, wenn das Aufnahmevermögen bereits zu 60% oder 70% ausgenutzt ist.
Wenn Luft abgekühlt wird, sinkt deren Fähigkeit, Wasserdampf zu speichern. Kalte Luft kann weniger Wasserdampf aufnehmen als warme. Wird Luft abgekühlt, erreicht der darin enthaltene Wasserdampf seinen „Sättigungspunkt“ und wird als Wasser ausgeschieden. Es entsteht Kondensat.
Die Abkühlung der Raumluft geschieht immer dann, wenn diese
an kalten Bauteilen vorbeistreicht. Solche kalten
Bauteile sind z.B. die Fensterscheiben,
die Außenwände und ganz besonders die Gebäudeecken. Gerade die
Außenecken eines
Raumes werden von der Heizungsluft schlecht erreicht und nicht so gut erwärmt
wie die übrigen Wandflächen. Darüber hinaus steht in einer Außenecke einer
kleinen „Erwärmungsfläche“ innen eine große „Auskühlungsfläche“ außen
gegenüber. Hier besteht eine „geometrische Wärmebrücke“.
Kalte Bereiche sind auch die Wandflächen neben Fenstern, die Decke zum schlecht gedämmten Dachboden oder der Fußboden zum Keller oder andere Bauteile, durch die Wärme schnell abfließen kann (Wärmebrücken).
Luft kann je nach Feuchtegehalt und Temperatur nur in gewissen Grenzen abgekühlt werden, bis der in ihr enthaltene Wasserdampf kondensiert und als Wasser ausgeschieden wird.
Bei einer Innentemperatur von 20° C und...
| 70% relativer Luftfeuchtigkeit | max. 5,6° Abkühlung |
| 60% relativer Luftfeuchtigkeit | max. 8,0° Abkühlung |
| 50% relativer Luftfeuchtigkeit | max. 10,8° Abkühlung |
Bei einer Innentemperatur von 16° C und...
| 70% relativer Luftfeuchtigkeit | max. 5,5° Abkühlung |
| 60% relativer Luftfeuchtigkeit | max. 7,8° Abkühlung |
| 50% relativer Luftfeuchtigkeit | max. 10,4° Abkühlung |
Wird die Luft stärker abgekühlt als vorstehend angegeben, wird der Wasserdampf als Wasser ausgeschieden, er kondensiert an kalten Gegenständen oder Wandoberflächen wie an der aus dem Kühlschrank entnommenen Bierflasche.
Die Kondenswassermengen, die an kalten Wänden entstehen können, sind erstaunlich hoch. Ich gebe nachfolgend einige Zahlen über deren Größenordnung:
Kondensatmenge je Stunde bei angenommener Raumlufttemperatur von 20°C
| Oberflächentemp. | Raumluftfeuchte | Tauwassermenge |
|---|---|---|
| 15° | 80% | 20 g/m² |
| 10° | 80% | 85 g/m² |
| 10° | 60% | 20 g/m² |
| 5° | 80% | 145 g/m² |
| 5° | 60% | 75 g/m² |
| 5° | 40% | 10 g/m² |
Die Tabelle macht deutlich, dass die Menge des Tauwasserausfalles abhängig ist von der relativen Feuchte
der Raumluft, aber insbesondere auch von der Oberflächentemperatur einer kalten Wand. Einen Taupunktrechner und andere interessante Daten finden Sie unter: http.www.holzfragen.de/seiten/taupunkt.html
Feuchteursachen
Kondensatbildung an kalten Bauteilen
Wenn Raumluftfeuchte an kalten Bauteilen kondensiert, erkennt der Sachverständige die Ursache meist schnell, weil sie am Aussehen der Schäden zu erkennen ist. Der Schadensbereich ist oft mit braunem, gelbem oder schwarzem Schimmel oder mit Schimmelkolonien bedeckt, weil die Bereiche langfristig feucht gehalten werden und sich Schimmel unter diesen Bedingungen besser entwickelt als bei kurzfristigen Durchfeuchtungs- und Trockenperioden.
Die Flecke sind nicht durch Ränder scharf begrenzt und liegen stets im Bereich der kalten Stellen, also im Bereich der Außenecken des Hauses, bei Dachwohnungen unter einem unbeheizten Boden mit einem Schadensschwerpunkt im Deckenbereich und bei Wohnungen über dem unbeheizten Keller mit dem Schwerpunkt im Fußbodenbereich.
Kalte Bereiche sind auch die Fensterlaibungen, die dann meist im unteren Bereich verpilzt sind, weil dort die Temperaturen am niedrigsten sind. Kalte Oberflächen haben auch die Fensterscheiben insbesondere bei Einfachverglasungen und bei älterer Isolierverglasung. Ein Beschlagen der Scheiben ist eine Warnung vor zu hoher Luftfeuchte und darf nur im Winter im unteren Bereich der Scheiben stattfinden.
Kalte Bereiche an Außenwänden liegen auch hinter Möbeln oder Vorhängen, die eine Erwärmung der Außenwandflächen behindern können.
Betroffen sind meistens diejenigen Räume, in denen hohe Feuchtigkeit anfällt, nach meiner Erfahrung zunächst Kinderzimmer, dann Schlafzimmer, oft auch Küche und Bad, seltener Wohnzimmer und Flure.
Undichte Außenwände
Das optische Erscheinungsbild bei undichten Außenwänden, das durch Wasser verursacht wird, welches von außen
durch die Wände fließt, unterscheidet sich meist deutlich von dem durch Kondensation entstandenen.
Die undichte Wand lässt meist punktuell oder in bestimmten Bereichen das Wasser durchfließen, die in der Regel
nicht die typisch kalten Bereiche sind. Das Wasser bildet „Ränder“, weil durch die Wand fließendes Wasser Salze mitschleppt, die bei Verdunstung auf der Oberfläche zurückbleiben, kristallisieren und Ausblühungen entstehen
lassen, die Tapeten „abdrücken“. Beim Draufdrücken auf die Tapete „knistert“ es dahinter.
Abhilfemaßnahmen
Erst wenn die Ursache bekannt ist, kann der Bausachverständige Ratschläge für die Beseitigung geben. War es die hohe Luftfeuchte, die herabgesetzt werden muss? Müssen die Wände abgedichtet werden oder müssen sie vielleicht eine bessere Wärmedämmung erhalten? Eine Lösung gibt es immer. Die Frage ist eher, ob der Mieter oder Eigentümer die Ratschläge, die zu befolgen auch mühselig sein kann oder Kosten verursacht, beherzigen möchte.
Pilzbildung nach Einbau neuer Fenster - ein Rechtsproblem
Der Streit entsteht dann, wenn sowohl Mieter als auch Vermieter der Ansicht sind, "der Andere" habe die Schuld an der Schimmelpilzbildung. Bei Einbau neuer Fenster kann sowohl dem Mieter als auch dem Vermieter die Schuld an der Pilzbildung zugesprochen werden.
Bei Einbau neuer dicht schließender Fenster freut sich der Mieter über eine Heizkostenersparnis, wundert sich aber ein Jahr später über die beginnende Pilzbildung. Durch den deutlich reduzierten Luftaustausch kommt es oft zu Schimmelbildung, wenn nicht rechtzeitig gelüftet wird.
Das Landgericht Gießen (und andere vielleicht auch) haben entschieden, dass der Vermieter den Mieter darauf hinweisen muss, dass nach Einbau neuer Fenster mehr gelüftet werden muss, wenn er sich von der Haftung befreien möchte. Gibt er den Hinweis, ist er frei von Schuld, vergisst er es, kann der (unwissende) Mieter die Miete mindern.








